Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt (von den Privatkassen als
gemischte Krankenanstalt) und auch beihilfefähig.
NEURALGISCHE SCHULTERAMYOTROPHIE
Parsonage-Turner-Syndrom
Der Begriff "neuralgisch" weist darauf hin, daß die Krankheit mit Nervenschmerzen einhergeht, also wie bei einer Neuralgie und mit dem Wortteil "Amyotrophie" wird die Atrophie (= Gewebsschwund) eines Muskel s bezeichnet. In diesem Falle kommt es also zu einem Gewebsschwund der Schulter muskulatur.
Die NEURALGISCHE SCHULTERAMYOTROPHIE ist eine Erkrankung des Ple xus brachial is (= Arm nerven geflecht).
Die Ätiologie (= Krankheitsursache) der neuralgische n Schulteramyotrophie ist nicht geklärt. Folgende Ursachen werden diskutiert:
Am häufigsten tritt die
Schmerzerkrankung
zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr auf, wobei Männer deutlich häufiger
betroffen sind. Die jährliche Inzidenz
(= die Anzahl neuer
Erkrankungsfälle) liegt bei ca. 1.5
pro 100.000 Einwohner. Man muß aber davon ausgehen, dass viele Fälle nicht
diagnostiziert werden. Auch hier hat wieder der Satz Gültigkeit: Je seltener
eine Krankheit auftritt umso höher ist die Dunkelziffer an nicht erkannten
Fällen.
Nicht selten tritt die Krankheit beiderseits auf,
Schmerzen werden
aber hauptsächlich auf einer Seite empfunden.
Die
Schmerz
en setzen plötzlich ein und imponieren als akute
(= plötzlich heftig auftretende
Krankheitszeichen)
Zervikbrachialgie
(=
Schulter-Arm-Schmerzen).Nach
mehreren Tagen treten Lähmungen von
Schulter - und
Arm
muskeln auf,
Sensibilitätsstörungen
(= Gefühlsstörungen) kommen
höchstens in 20-30 % vor.
Die Prognose (=
Vorhersage, der Verlauf) ist günstig,
die motorischen Ausfälle
(= Lähmungen, Muskelschwäche)
bilden sich von selbst langsam (über Monate) zurück.
Betroffen sind meist jugendliche Erwachsene, Männer häufiger als Frauen.
Behandlung der Schulteramyotrophie
(neuralgische) im akuten
(= plötzlich heftig auftretende
Krankheitszeichen) Stadium:
Cortison (z.B. 60 mg Prednisolon/Tag, dann über 2 Wochen rasch absteigend
dosieren), und gegen die Sch merzen
Antiphlogistika (z.B. Phenylbutazon, Salicylate)
(= entzündungshemmende Mittel)
bzw. nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Diclofenac, Indometazin). Magenschonend sind diesog.
COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese
Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei
längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht
auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe
zuvor.
Öfters ist auch eine Behandlung mit einem Antikonvulsivum
(= ein Mittel gegen die
Fallsucht, aber auch bei einem anfallsartigen
Schmerz
wirksam) hilfreich. Als erste Wahl
gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin. Die
Kombination mit Baclofen hilft Gabapentin bzw. Pregabalin oder Carbamazepin
einzusparen.
Hilfreich sind in dieser Situation auch interskalenäre
Plexusblockaden
(= Betäubungen des
Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich).
In der Regel klingen die Sch
merzen bei der Schulteramyotrophie (neuralgische) nach einigen Tagen
wieder ab, die Muskelschwäche hält aber an (in der Regel ca. 10 - 12 Monate).
Nicht selten aber persistieren
(= bestehen weiterhin) Sch
merzen oder werden immer wieder durch aktive
Muskeltätigkeit im Schu
lter/Armbereich
ausgelöst.
Falls Sch merzen weiter anhalten, nicht verzagen, es gibt ja noch die spezielle Schmerztherapie:
Verbleiben trotz einer krankheitsspezifischen Behandlung beim Parsonage-Turner-Syndrom weiterhin Schu lter-/ Armschmerzen, so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei Dauerschmerz en praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordern. Häufig sind die schmerztherapeutischen Behandlungsmethoden bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Sch merz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten.
Grundsätzlich sollte auch bei Schulterschmerzen /Ar msch merzen aufgrund einer Schulteramyotrophie (neuralgische) eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmer zen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Analgetika (= Schmerzmittel) einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
bei der
Schulteramyotrophie
(neuralgische) bzw. beim Parsonage-Turner-Syndrom:
Die besten Therapieergebnisse bei hartnäckigen
Schulter-Arm-Schmerzen
werden mit der
kontinuierlichen Blockade des Plexus brachialis in der sog. retrograd
hohen Variante erzielt.
Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) nahe der Achselhöhle
in die Nervenscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt und innerhalb derselben
noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung erfolgt durch eine
handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten" werden. In
der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der
vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos
nachgespritzt. Während dem Einspritzen und noch kurze Zeit danach wird der
Oberarm mit einer
Manschette abgestaut, so daß die Betäubungsmittellösung innerhalb der
Nerven
scheide nach oben getrieben wird und so auch im
Schulterbereich und
bei entsprechender Betäubungsmittelmenge sogar an der
Halswirbelsäule
schmerzlindernd wirken kann.
Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die
grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung),
damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben.
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit
hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung
auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus eine sehr
deutliche Durchblutungssteigerung resultiert, die entzündlichen oder
degenerativen (=
abnutzungsbedingten) Prozessen
nachhaltig entgegenwirkt. Beim Parsonage-Turner-Syndrom kommt
es durch diese Sympathikolyse auch zu einer Normalisierung des gestörten
Nervenzellmetabolismus
(= Nervenzellstoffwechsel).
Alternativ kann auch die kontinuierliche interskalenäre Blockade
(= Betäubungen des
Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) mit Katheter durchgeführt werden, wobei aber das methodische Risiko
etwas größer ist als bei der zuvor beschriebenen Methode.
Physikalische
Therapie beim
Parsonage-Turner-Syndrom:
Auch die Elektrostimulation eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die
transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat
den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die
Elektroden werden paarig über dem Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung
der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert
werden. Wir verordnen TENS grundsätzlich nur leihweise für 6 Monate, da
erfahrungsgemäß die Wirkung nach längerer Anwendung nachläßt.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca.-10 bis-15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einer Schulteramyotrophie empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam.
Ganz wichtig ist eine funktionserhaltende und gegen die Muskellähmung gerichtete
heilgymnastische Therapie.
Weiter Therapiemöglichkeiten:
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) oder auch
Hochtontherapie..
Andere
Therapiemaßnahmen beim Parsonage-Turner-Syndrom:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur (Schmerzakupunktur)
in der Behandlung chronischer Schu
lter-/Ar
mschme rzen nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson, ebenso ein
Schmerzbewältigungstraining
sind beim Parsonage-Turner-Syndrom im Rahmen einer
psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.
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